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Unwetter in Norddeutschland, Sturm sorgt für zahlreiche Schäden und Verkehrsbehinderungen

Aber war es überhaupt ein Unwetter ?


Was versteht man unter dem Begriff Unwetter ?

Unwetter ist ein Sammelbegriff zur Bezeichnung von unterschiedlichen Extremwetterereignissen. Unwetter können starke Auswirkungen haben und die öffentliche Ordnung und das öffentliche Leben gefährden. 

War das stürmische Wetter ein Unwetter ?

Nun am gestrigen Dienstag sorgte ein großer Druckunterschied zwischen einem Tief im Nordosten und einem Hoch im Westen für starken Wind. Dabei kam es vielfach zu Windböen von über 50 km/h nördlich einer Linie Sachsen bis NRW. Aber bis auf dem Brocken, dem Fichtelberg und den Küsten und einzelnen Schauern / Gewittern gab es keine Sturmböen.

Eine Sturmböe ist laut Beaufortskala eine Böe mit Geschwindigkeiten von 75 bis 88 km/h und wird amtlich mit der Warnstufe " ORANGE " bewarnt. Dieses steht für markante Wetterereignisse aber nicht für Unwetter.

Bei einem Unwetter der Stufe ROT ( Warnstufe 3 ) muss eine Windstärke 11 orkanartig mit mindestens 103 km/h auftreten. Dieses trat auf den Inseln und über der See auf.



Die Karte zeigt die 6 Stunden Böen zwischen 14 und 20 Uhr des gestrigen Dienstag. Also 12 bis 18 UTC. Wir sehen Böen oberhalb der Sturmstärke 9 vereinzelnt über dem norddeutschen Tiefland und den Hochlagen wie Brocken und Fichtelberg. Schwere Sturmböen der stärke 10 wurden auf Fehmarn, Rügen, Rostock sowie Bremerhaven, Norderney, Helgoland und Sylt gemessen. An der Grenze zu Dänemark kam es zu einer orkanartigen Böe der Stärke 11. Wir sehen, das ausser in den Hochlagen und den Küsten sowie bei einzelnen konvektiven Ereignissen nirgens Sturmböen aufgetreten sind und somit gab es verbreitet auch kein flächendeckendes Unwetter.

Der deutsche Wetterdienst warnt erst wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind bei 

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor folgenden Unwettern, wobei dabei bestimmte Kriterien erfüllt sein müssen: Windböen (orkanartig, …) , schwere Gewitter, heftiger Starkregen, ergiebiger Dauerregen, starker Schneefall, Glatteis, starkes Tauwetter.

Für die Defination eines Sturm- oder Orkantiefs zählen meteorologisch die Mittelwinde und nicht die Böen. Das bedeutet, ein Sturmtief ist meteorologisch gesehen ein Tief mit mittleren Windgeschwindigkeiten von minimum 75 km/h und ein Orkantief sogar erst ab einer Geschwindigkeit von 117 km/h. Dabei gilt der Wind in 10 Metern Höhe in einem 10 minütigem Mittel. Würde man die Böen nehmen so wäre bald jedes zweite Tief oder Tiefausläufer ein Sturmtief.

Warum so viele Vegetationsschäden ?

Da gibt es einige Faktoren die eine Rolle spielen. Dabei zählt die Trockenheit. Diese hat die Bäume stark geschwächt. Zum anderen aber die Belaubung, denn die Bäume haben noch einiges an Laub und bieten daher eine große Angriffsfläche für den Wind.

Die Grafik zeigt es. Belaubte Bäume bieten einen grösseren Widerstand und somit muss der Wind den Baum überströmen. Durch sein Auftreten kommt es zu einem sogenannten Staudruck. Ab gewissen Geschwindigkeiten kann dieser Staudruck eine Stärke erreichen der im Vergleich den Aufprall eines schweren Lastwagen gleicht. Im Übrigen tritt dieser Staudruck an allen gegenständen und Wänden auf. In Städten kommt ein weiterer Faktor. Das ist die Beschleunigung. Wenn der Wind auf eine Hochhausschlucht trifft so wird er dazwischen gezwängt und damit beschleunigt. Dabei bilden sich auch gerne Verwirbelungen und überströmen von Dächern entwickelt sich ein Unterdruck und es setzt eine Sogwirkung ein. Dabei können dann ab gewisse Windgeschwindigkeiten Dächer abgehoben werden.

Im Herbst bleiben Laubbäume deutlich standhafter, weil der Wind kaum Widerstand hat und durch das Geäst durchströmen kann. Dann sind vor allem Nadelbäume anfällig denn diese tragen ja auch eine Art Laubkleid in Form von Nadeln. Dadurch bieten sie dem Wind eine ausreichende Angriffsfläche und zudem sind die Nadelbäume Flachwurzler die gerne einen flachen Wurzelteller ausbilden während Laubbäume eher in die Tiefe wurzeln.

Fazit :

Die umgestürzten Bäume kamen überwiegend durch deren Schwäche und der Belaubung zu Stande. Richtige Sturmböen traten nur in den Küstenregionen und in den Hochlagen sowie bei einzelnen Schauern auf. Eine Unwettersituation gab es nicht. 



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