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Analyse Wetterlage Atlantik 08-09-2019

Ex-Hurrikan Dorian und tropischer Sturm Gabrielle auf den Weg in die atlantische Westwetterzirkulation 

Der ehemalige Hurrikan Dorian, der die Bahamas verwüstet hat, befindet sich mittlerweile in der Nähe von Neufundland und ist ein aussertropisches Sturmtief geworden. Dabei werden immer noch mittlere Windgeschwindigkeiten von rund 80 bis 100 km/h gerechnet. Ein weiteres ist ein tropischer Sturm mit dem Namen Gabrielle. Auch dieser soll als aussertropisches Tief in Richtung Europa ziehen.

Tropische Stürme und Hurrikane brauchen für ihre Existenz warmes Meerwasser und eine scherungsarme Umgebung um sich zu Entwickeln. Geraten diese Stürme in den Nordatlantik so wird das Meerwasser zu kalt und die Scherung nimmt zu. Denn hier verläuft der Jetstream der auch unser Wetter beeinflusst. Aus den tropischen Tiefs oder Hurikanen wird dann ein aussertropisches Tief oder Sturmtief. 

Nun im Bodendruckfeld sehen wir Dorian westlich von Neufundland und Gabrielle am unteren Bildrand. Hurrikane und tropische Stürme besitzen keine Fronten. Dorian entwickelt Fronten was ihn deutlich als aussertropisches Sturmtief abhebt. Dieses zeigt sich auch aktuell auf der prognosekarte des Nationalen Hurrikancenters der USA wo Dorian nicht mehr geführt wird. Über dem Ostatlantik verläuft eine Kaltfront die sich mit dem Frontensystem von Dorian verbindet. Deutschland wird davon nichts bemerken denn bei uns ist aktuell ein anderes Wettersystem wirksam ( Höhentief ).

Wichtig bei der Beurteilung von Fronten ist die Luftfeuchte in der mittleren Höhe, also im Druckfeld 700 hPa. Im Bereich der hohen Luftfeuchte ( blau ) können sich Wolken und Niederschläge entwickeln und Fronten können sich sehr gut abheben wie hier die genannte Kaltfront. So lässt sich die Wetterwirksamkeit einer Front einschätzen. Da Kaltluft weniger Feuchte aufnehmen kann als Warmluft, findet sich hinter Kaltfronten Luftmassen die deutlich trockener sind. Oftmals finden sich hier auch Absinkfelder mit der Möglichkeit von Hochdruckgebietentwicklungen aber auch das typische Rückseitenwetter mit Quellwolken, Schauer oder auch Gewittern.

Ein wichtiges ist auch der Blick auf den Jetstream und die Karte des 300 hPa - Druckniveaus. Dabei kann man den Jetstream verfolgen und durch die höchsten Windgeschwindigkeiten den sogenannten Jetstreak bestimmen. Schaut man in Flussrichtung so liegt am linken Jetauszug und rechten Jeteinzug positive Vorticity und Hebungsfelder mit Druckabfall am Boden und somit ideale Bedingungen für Tiefdruckentwicklungen. Stürme und insbesondere Schnellläufer halten sich am Jetstreak und können somit rasch große Strecken innerhalb weniger Stunden zurück legen aber auch Wettersystem wie Hoch und Tief halten sich an den Jetstream. Deutlich erkennt man das an der möglichen Zugbahn  von Dorian. Dieser folgt nämlich dem Jetstream wie auch der tropische Sturm Gabrielle. Liegen die Tiefs im Bereich des Jetstreaks so vertiefen diese sich so gut wie nicht sondern bleiben vom Luftdruck her eher gleich. Befinden sich Tiefdruckgebiete im Bereich der Hebungsgebiete so können sich diese weiter vertiefen und somit verstärken. Zudem werden in diesem Druckniveau auch die Lage von Trögen und Keilen / Rücken bestimmt wie auf der Karte zu sehen. Dabei befindet sich auf der Rückseite des Höhenkeils und Vorderseite des Troges, das Gebiet , das hebungsfördern wirkt mit Druckabfall und der sogenannten Warmluftadvektion. Umgekehrt herrscht Kaltluftadvektion und Druckanstieg.

Prognose 

Der ehemalige Hurrikan Dorian wird dem Jetstream in Richtung Grönland folgen und wahrscheinlich dann irgendwo zwischen Schottland und Island die europäische Westwindzirkulation erreichen. Gabrielle folgt dem anderen Zweig des Jets und wird wohl vorraussichtlich nach Irland ziehen. 

Wichtig bei der Bestimmung der Zugbahnen ist auch die Lage der Hauptwettersysteme Azorenhoch und Islandtief.

Im Grund benötigen wir noch die Karten des Druckniveaus 500 hPa mit Strömung und Temperatur sowie die der 850 hPa Druckfläche. Sogenannte Kaltlufttropfen und Höhentiefs lassen sich nur in 500 hPa finden und tauchen im Bodendruckfeld gar nicht auf. Diese können selbst bei Hochdruckwetter Schauer und Gewitter auslösen. Die Unterschiede zwischen der niedrigen und hoch gelegenden Temperatur ( 850 hPa / 500 hPa ) kann einen Hinweis liefern, ob die Atmosphäre stabil oder instabil geschichtet ist und somit Konvektion ( Schauer / Gewitter ) auslösen kann und womöglich kräftigere Höhenwinde mittels vertikalen Impulstransport herabmischen kann. Hierbei bedient man sich besonders im Herbst, Winter und Frühling dem Mittelwind in 850 hPa. Dieser Bereich ist die Grenzschicht wo der Boden seine Wirkung auf Wind und Temperatur verliert. Dabei sagt man oft, der Mittelwind in 850 hPa entspricht den Böen in ca. 300 Metern Höhe oder bei Schauern und Gewittern den Böen am Boden. Aus dem Geopotential und Temperatur in 850 hPa kann man die Bodentemperatur errechnen und auch die Frostgrenze und Schneefallgrenze bestimmen.

Hinweis : Auch bei mir können sich hier und da mal Fehler einschleichen aber ich bemühe mich hier die richtigen Informationen zu liefern. Sie beruhen auf Fachliteratur und Erfahrungen !

Quelle der Grafiken : windy.com


Geopotential : Höhe in der die jeweilige Druckfläche erreicht wird
Jet : Starkwindband, auch Strahlstrom genannt
Jetstreak : Bereich der stärksten Windgeschwindigkeit in einem Jetstream
Vorticity : Wirbelhaftigkeit
Advektion : Transport

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