Tief aus dem Niederlanden sorgt für Schauer und Gewitter
Um eine Analyse oder Nowcast zu machen benötigen wir zum einen Radardaten und das Satellitenbild. Ein Nowcast ist die Ermittlung des Istzustandes der Atmosphäre und eine Prognose für die folgenden 2 bis 3 Stunden.
Das Satellitenbild zeigt gut den Wirbel des Tiefdruckgebietes über den Niederlanden. Ring um und vor allem in seinem Vorfeld entwickeln sich Konvektionslinien mit Schauern und Gewittern. Dabei wird im Vorfeld feuchtwarme Luft nord bis nordostwärts geführt und auf der Rückseite gelangt Kaltluft südwärts. Weitere größere Wolkencluster über der Schweiz und Österreich sind ebenfalls aktive Gewitterzellen.
Im Vergleich zum Radarbild zeigt sich genau das Bild des Satelliten und somit lässt sich erkennen das die Wolkenstrukturen mit Niederschlag einhergehen und nimmt man die Blitzortung hinzu, sehen wir auch schon einige gewittrige Aktivitäten. Somit bestätigt sich die Gewitterprognose mit dem Tief über den Niederlanden das sich weiter in Richtung Südniedersachsen / Nord-NRW verlagern wird.
Wichtig in der Analyse ist die Kenntnis der Bedingungen in der Atmosphäre wozu man Radiosondenaufstiege nimmt. Das sind die berühmten Wetterballone. Die Sensoren die mit dem Ballon herauf geschickt werden zeichnen quasi einen Querschitt durch die Atmosphäre im Bereich der jeweiligen Stationen.
Hier sehen wir einen Aufstieg aus Belgien aus der Nacht. Die rechte dicke Linie ist die Temperaturkurve und die linke die Taupunktskurve. Je näher beide Linien sind desto feuchter ist es in den jeweiligen Druckflächen die links am Grafikrand aufgeführt sind. Aus diesen Aufstiegen lassen sich nicht nur Temperatur oder Feuchte ermitteln sondern auch ob die Atmosphäre stabil oder instabil geschichtet ist. Dazu kann man sich dem sogenannten KO-Index bedienen der sich aus den Theta E Werten errechnen lässt. Theta E ist die Temperatur, die erreicht wird, wenn man die komplette Feuchte aus der Luftmasse herauskondensieren lassen würde. Daher ist dieser Wert grundsätzlich höher als die eigentliche Lufttemperatur. Je höher dieser Wert, desto mehr Feuchtigkeit ist vorhanden. Bei Werten von über 50 Grad spricht man von einer tropischen Luftmasse. Als weiteres können wir den Wind und dessen Richtung ablesen. Das sind die Windfedern auf der rechten Seite. Ein langer Strich spricht für 10 Knoten und ein kurzer für 5 Knoten. Ein Dreieck bedeutet 50 Knoten. Zwischen der 500 hPa-Druckfläche und der 1000 hPa Fläche kann man die sogenannte vertikale Windscherung ermitteln. Das kann uns zeigen, ob einer der Vorrausetzung erfüllt ist für organisierte Konvektion ( Superzellen ). Ein weiteres ist der PW-Wert. Das ist der Gehalt an niederschlagbaren Wassers. Ab oder höher als 20 mm kann für Starkregen sprechen, vor allem bei einer geringen Windscherung von ca. 10 m/s. Wichtig ist auch der Energiegehalt. Dieser wird errechnet aus Cape. Cape ist die für Gewitter verfügbare Energie. Je höher desto besser bzw. desto stärker können die Gewitter ausfallen. Man unterscheidet zwischen dem MLCape ( Mixed Layer Cape ). Er ist hauptsächlich von der Feuchte abhändig. Er ist ein guter Indikator für mögliche Gewitterlagen, allerdings nicht in der Vorhersage. Dann gibt es den MuCape ( Most unstable Cape ). Er wird aus dem labilsten Luftpaket der untersten 300 hPa ermittelt, also demjenigen mit dem höchsten Theta E. Er ist ein guter Hinweis für nächtliche Gewitter. Der unzuverlässigste ist der sogenannte SbCape ( SurfaceCape ) Er ist von der direkten Einstrahlung am Boden abhängig. Aus sollchen Aufstiegen sind noch viele weitere Gefahren zu ermittel. Dabei gibt es z.B. den sogenannten D-Cape ( Downcraftcape ). Er kann uns Aussage geben ob es zu sogenannten Downbursts kommen kann . Downbursts sind Gewitterfallböen die durchaus Orkanstärke erreichen können. Auch ein wichtiger Indikator ist der Delta T. Vor allem im Winter lässt sich dadurch gut abschätzen ob es zu Gewittern kommen kann. Der Delta T ist der Temperaturunterschied zwischen der 850 hPa und der 500 hPa Druckfläche. Beträgt dieser -25 Grad und niedriger, so kann von einer leichten Labilität ausgegangen werden. Ab einen Wert von -30 Grad und weniger werden Gewitter wahrscheinlicher.
Hinweis : In einem anderen Blogbeitrag findet Ihr die Schwellenwerte der verschiedenen Indizen die hier aus den Grafiken ersichtlich werden !
Weitere sind der K-Index ( KINX ), der Sweat Index ( SWET ) aber auch der Lifted Index ( Li ), Cape, Lifting Condensations Level ( LCL = Bereich der Wolkenbasis ), PW ( precipitation water ),
und viele weitere.




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